Autorenportrait Alexis de Tocqeville

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Nähere Informationen zum Denken von Alexis de Tocqueville finden sich hier.


Charles Alexis Henri Clerel de Tocqueville
* 29. Juli 1805 ; + 16. April 1859
Politischer Denker , Autor , Staatsmann


Biographie

Tocqueville wird in eine alte französische Adelsfamilie hineingeboren. Als Teil der aristokratischen Schicht erfuhr Tocquevilles Familie die Umbrüche der Gesellschaft im nachrevolutionären Frankreich buchstäblich am eigenen Leib: Der Urgroßvater des berühmten Sproßes wurde hingerichtet, seine Eltern entkamen der Guillotine nur durch Glück. Nach dem Ende der Napoleonischen Herrschaft und der Restauration der Bourbonenherrschaft in Frankreich wurde seine Familie rehabillitiert. Tocqueville studierte Philosophie und Jura in Paris, um 1827 eine Tätigkeit als Justitiar in Versailles aufzunehmen. Abermals sorgte der Wandel der politischen Situation in Frankreich für eine Änderung der Lage Tocquevilles, dessen Familie eine enge Bindung zum Bourbonengeschlecht unterhielt. In der Juli-Revolution 1830 wurde der Bourbonenkönig gestürzt und durch den sogenannten “Bürgerkönig“ Louis-Philipp de Orleans abgelöst. Tocqueville legte zwar nach langem Hadern den Eid auf den neuen König ab, suchte jedoch nach einer Möglichkeit diesem Frankreich, daß, wie er sagte, nun von einem “mittelmässigen“ Mann regiert wurde, zumindest für eine Zeit den Rücken zu kehren. Die Gelegenheit ergab sich, als Tocqueville und sein Freund Gustave de Beaumont 1831 die Erlaubnis erhielten, die USA zu besuchen, offiziell um das dortige Gefängniswesen zu untersuchen. In Wahrheit nutzte Tocqueville den knapp einjährigen Aufenthalt in der jungen Demokratie auf der anderen Seite des Atlantik, um einen politischen Reisebericht und eine tiefgehende empirische Untersuchung „ Über die Demokratie in Amerika“ anzufertigen. Das zweibändige Werk ( 1. Band 1835; 2. Band 1840 ) wurde ein überragender publizistischer Erfolg in Tocquevilles Heimat. Er wurde 1841, im Alter von 36 Jahren, in die Academie Francaise gewählt. Tocqueville wurde 1839 zum Abgeordneten seines Wahlkreises gewählt. 1848 folgt seine Wahl in die Nationalversammlung, nach der Februar-Revolution bekleidete er 1849 für einige Monate das Amt des französischen Außenministers. Im Jahre 1851 folgt die nächste Zäsur. Der Präsident Frankreichs beendet das kurze Intermezzo der Republik, und übernimmt nach einem Staatsstreich als Kaiser Napoleon III. die Macht. Zutiefst desillusioniert und in seinem pessimistischem Menschenbild bestätigt, nimmt Tocqueville Abschied vom politischen Betrieb.Er widmete sich in seinen letzten Jahren der Arbeit an seinem Buch „ L’Ancien Regime et la Revolution “ ( 1856 ). Tocqueville starb 1859. Das Wechselspiel von Revolutionen und Restaurationen zu Lebzeiten Tocquevilles hatte einen wesentlichen Einfluß auf sein Weltbild. In denAnalysen politischer und sozialer Zusammenhänge anerkannte er die Unumkehrbarkeit des Demokratisierungsprozesses, ohne Begeisterung dafür zu zeigen. Denn als überzeugter Aristokrat, der seine Freiheit über alles liebte, mißtraute er der Fähigkeit einer egalitären, demokratischen Gesellschaft, sich gegen Gleichmacherei, einen allmächtigen Zentralstaat und den daraus resultierenden schleichenden Verlust von Freiheit, zu wehren. Zeit seines Lebens problematisierte er dieses, und suchte nach Lösungen, die er teilweise in den USA fand.

Werke

Als Hauptwerk Tocquevilles gilt „ Über die Demokratie in Amerika “( 1835/1845 ). Ferner verfasste er „ L’Ancien Regime et la Revolution“( 1856 ) und eine umfangreiche Anzahl von Briefen, die nur teilweise veröffentlicht sind.

Quellen

Zur Anfertigung des Autorenporträts wurden folgende Bücher herangezogen:

  • Manfred G. Schmidt, Demokratietheorien, 3. Aufl., 2000, Opladen
  • Michael Hereth, Tocqueville zur Einführung, 1991, Hamburg
  • Karl Pisa, Alexis de Tocqueville-Prophet des Massenzeitalters, 1984, Stuttgart
  • Consantin von Barloewen, Gleichheit und Freiheit-Alexis de Tocqueville in Amerika, 1978, München
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