Autorenportrait Jean Bodin

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Inhaltsverzeichnis

Jean Bodin

Jean Bodin war ein bedeutender Staatsdenker im Frankreich des 16. Jahrhunderts.

Besondere Bedeutung erlangte dabei seine Lehre von der Souveränität, die in direktem Bezug zu den gesellschaftlichen Erschütterungen seiner Zeit, insbesondere zu den Konfessionskriegen in Frankreich steht. Bodin schuf damit eine theoretische Basis des sich entwickelnden Absolutismus in Frankreich. In späteren Werken beschäftigte sich Bodin darüber hinaus mit der Hexentheorie.

Bodins Leben

Jean Bodin, eigentlich: Joannes Bodinus Andegavensis (Der vielerorts vertretene Name Jean Bodin erschwert eine historisch korrekte Biographie)


-1529/1530 in Angers (im heutigen Pays de la Loire in Nordwest-Frankreich)

-1596 (an der Pest) in Laon

Kindheit und Jugend

Aufgewachsen in der Atmosphäre einer bürgerlichen Familie wurde Bodin durch den Bischof von Angers gefördert und trat 1545 dem katholischen Karmeliterorden bei, was sozialen Aufstieg durch eine Ausbildung in Paris und Angers verhieß.


Studium

  • Studium der Rechte in Paris ab 1548/49
  • Studium des römischen Rechts an der Toulouser Universität ab 1551; später akademischer Lehrer


weitere Stationen in Bodins Leben

  • Juristische Praxis und Advokat am Pariser Parlament ab 1561

Hier kommt er mit der damals allgemein wütenden Hexenfeindlichkeit und Zauberdelikten in unmittelbaren Kontakt, was später auch auf seine schriftlichen Werke Einfluss haben sollte. Darüber hinaus ist gewiss, dass er sich zu diesem Zeitpunkt, wie bereits erwähnt, mit der Hexenthematik auseinandergesetzt haben muss.


  • Verfolgung und Lebensgefahr in Frankreich ab 1572

Bodins freundschaftliche Beziehungen zu (hugenottischen) Protestanten und die Forderung nach Toleranz ihnen gegenüber, gefährdeten sein Leben in der Zeit der Re-Katholisierung Frankreichs. Mehrere Gefängnisaufenthalte und ein Mordanschlag in der Bartholomäusnacht waren die Folge. In dieser Nacht wurden auf Befehl der Königinmutter Katherina Medici ca. 20000 Hugenotten abgeschlachtet.


  • "Les Six Livres de la Republique"

Erschüttert von den ständigen Bürgerkriegen und mörderischen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten verfasste Bodin, das erste staatstheoretische Buch in französischer Sprache. Mit zunehmender Zerrüttung des Staatswesens durch die Religionskriege wurde er zum Theoretiker und Verfechter des Absolutismus.


  • Herzogs- und Königsdienste

Bodin war zeitweilig im Dienste des Herzogs von Alencon-Anjou und des französischen Königs Heinrich III. befunden hatte


  • Staatsanwalt am Präsidialamt in Laon ab 1576/77


  • Heirat und politischer Aufstieg

Es folgte die Heirat mit Francoise Trouillart und die Ernennung zum Abgeordneten des dritten Standes in der Ständeversammlung von Blois. In dieser Zeit veröffentlichte er eine Reihe von Werken.


  • Prokuratorstätigkeit in Laon von 1583-1596

Nach dem Tode seines letzten Dienstherrn Duc d’Alencon, war Bodin noch 13 Jahre als Procurateur tätig.


  • Beitritt zu katholischen "Liga" im Jahre 1589

Aufgrund einer erheblichen Mehrheit der strengkatholischen "Liga" sieht sich Bodin, trotz seiner Toleranzbestrebungen, zu einem Beitritt gezwungen.


  • persönlicher Rückzug

Nachdem sich Bodin in der späteren Phase seines Lebens immer mehr zurückgezogen hatte, widmete er sich nicht mehr weltlichen, sondern metaphysischen Dingen. In dieser Zeit entstanden Bücher wie das "Paradoxon" oder das "Heptaplomeres". Bei letzterem wird seine Autorschaft aber immens bezweifelt.


Bodin und der Hexenkult

Bodins theologisch-philosophische Entwicklung entsprach nicht den Erwartungen seiner kirchlichen Gönner.

Im Jahre 1548 wurde er in einen Häresie-Prozess verwickelt, in dem Bodin, aufgrund der Protektion durch den Bischof von Angers, nur knapp der Verurteilung zum Scheiterhaufen entging. Bodin selbst hat laut eigener Aussage bereits 1549 einem Hexenprozess beigewohnt, bei dem sieben Menschen der Zauberei angeklagt waren. Aufgrund dieser Vorfälle wurde im gleichen Jahr sein Ordensgelübde annulliert.

Zu einem seiner nachhaltigen theoretischen Schriften mit dem Thema Hexentraktat wurde "Daemonomania". Erheblichen Einfluss auf diese Schrift hatte der von ihm geführte Prozess gegen Johanna Harwilern im Jahr 1579:

///„Dies hat mir Anlaß unnd Ursach geben / die Feder inn die Hann zunemmen / um die Matery von den Hexen und Unholde / welche heutigs tags jedermann so verwunderlich frembd fürkommet / auch bey vielen keinen glauben gewinnet / nunmal ausßführlich zu erklären."///

Über die hier formulierte erste Zielsetzung seines Buches hinaus betont er, dass er sein Hexenbuch schreibe:

///"damit man sich darvor [vor der Hexerei] zu hüten habe / und der sachen alsdann / wann man von disen / so solche stuck brauchen / urtheilen solle / ein gründliches wissen möge haben" Dies sei besonders für Richter wichtig, die Hexenprozesse führen müssten, damit sie nicht "der blauen Brillen nach urtheilten".///


1590 muss er sich dennoch selbst vor Gericht aufgrund des Verdachts der Magie verantworten. Nachdem sich Bodin in der späteren Phase seines Lebens immer mehr zurückgezogen hatte, widmete er sich nicht mehr weltlichen, sondern metaphysischen Dingen. In dieser Zeit entstanden Bücher wie das "Paradoxon" oder das "Heptaplomeres". Bei letzterem wird seine Autorschaft aber immens bezweifelt.

Fazit

Bodin war ein Vorkämpfer für religiöse Toleranz und der einflussreichste Staatstheoretiker seiner Zeit. Durch ihn erhält die Idee des modernen Staates ein erstes systematisches Fundament. Er entwickelte den Begriff der Souveränität erstmals klar und mit erschöpfender Fülle.

In seinem politischen Hauptwerk "Sechs Bücher über den Staat" ("Les six livres de la République") entwickelte er den Gedanken des modernen Staates mit dem er die katastrophalen politischen Zustände und Konfessionsstreitigkeiten seines Landes heilen und Toleranz bzw. Religionsfreiheit schaffen wollte. Dies markiert in der Ideengeschichte den endgültigen Bruch mit der mittelalterlichen Staatsidee. Bodins Werk ist die intellektuelle Basis des späteren Absolutismus.

Mit seiner 1566 veröffentlichten wissenschaftlichen Schrift "Methodus ad facilem historiarum cognitionem" wurde Jean Bodin auf einen Schlag berühmt. Im Werk "Heptaplomeres" erweist sich Jean als vehementer Vertreter der Toleranzidee des 16. Jahrhunderts. Spätere Polit-Philosophen wie z.B. Hobbes wurden in hohem Maße von seinen Schriften beeinflusst.

Schwierigkeiten bereitet den Interpreten bis heute Bodins Buch "De la Démonomanie des sorciers" von 1580. Darin untersucht Bodin Hexerei und Dämonenfurcht. Bodin glaubte an die reale Existenz von Dämonen und die Wirksamkeit von hexerischen Praktiken.

Anhang

Werke

"Methodus ad facilem historiarum cognitionem" - (1566)

"Les paradoxe du seigneur de Malestroit" - (1568)

"Les Six Livres de la Republique" - ("Sechs Bücher über den Staat") - (1576)

"De la Démonomanie des sorciers" - (1580)

"Colloquium Heptaplomeres"

"De magorum daemonomania" - ("Vom ausgelasnen wütigen Teuffelsheer") - (1581)

Weiterführende Artikel im WIKI

Jean Bodin

Absolutismus

Frankreich im 16. Jahrhundert

Konfessionskriege

Hugenotten

Souveränität

Widerstandsrecht bei Jean Bodin

Staat

Menschenbild bei Jean Bodin

Rolle des Untertanen

Hexentheorie

Literaturverzeichnis

Bodin, Jean, „Sechs Bücher über den Staat“, hrsg. von P.C. Mayer-Tasch, München: C.H. Beck (1576/1981)

Bodin, Jean, „De Magorum daemonomania libri IV“, Basel: [Guarinus] (1581)

Baudrillart, Henri, "Jean Bodin et son temps. Tableau des théories politique et des idées économique au 16 éme siècle“, Aalen : Scientia Verlag (1853/1964)

Dock, Adolf, "Der Suveränitätsbegriff von Bodin bis zu Friedrich dem Grossen", Aalen: Scientia-Verlag (1897/1972)

Feist,Elisabeth, "Weltbild und Staatsidee bei Jean Bodin", Halle/Saale: Niemeyer (1930)

Franklin, Julian H., „Jean Bodin and the rise of absolutist theory“, Cambridge: Cambridge Univ. Press (1973)

Voegelin, Eric, „Jean Bodin“, München: Fink (2003)

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