Autorenportrait Martin Luther

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Inhaltsverzeichnis

Martin Luther (1483-1546)

Martin Luther kann bei aller Bescheidenheit als eine der bedeutesten Persönlichkeiten deutscher Herkunft weltweit beschrieben werden. Die durch ihn angestoßene Reformation veränderte und erschütterte die Welt des 16. Jahrhunderts in Europa und Deutschland grundsätzlich bzw. unrevidierbar. Die Entstehung der evangelischen Kirche, sowie die Bauernkriege lassen sich auf ihn und sein Denken zurückführen.

Luthers Leben

SOHN: Martin Luder(später Luther)   VATER: Hans Luder     MUTTER: Margarethe                                     
                                     (Minenbesitzer)       (geb. Lindemann)
                 
                                    
 * 10.11.1483  in Eisleben             * Anno 1459            * Anno 1459

 + 18.02.1546  in Eisleben             + Anno 1530            + Anno 1531


Seine Schule & Studium

  • Stadtschule in Mansfeld von 1488 - 1497
  • Domschule in Magdeburg von 1497 - 1498
  • Lateinschule in Eisenach von 1498 - 1501


Durch seinen Werdegang erlangte Luther bereits früh eine sehr gründliche Ausbildung, in allgemein bildender, lyrisch-poetischer und gesanglicher Form. Vor allem seine früh erworbenen Lateinkenntnisse halfen ihm später sehr, da die Beherrschung des Lateinischen in Wort und Schrift nur hoch gebildeten Kreisen möglich war. Beim "normalen" Volk war dies eine absolute Rarität.


  • Universität Erfurt von 1501 - 1505
    1502: Artistenfakultät (sprachliche, logische, philosophische Schulung) -> Baccalarias (vergl. Abitur)
    1503: Beginn der Philosophie (Erlernung des kritischen Denkens)
    1505: Jura, Abbruch nach wenigen Wochen "keine Gerechtigkeit bei ungerechter Rechtssprechung"


Bei seinem anfänglichen universitären Studium vertieft Luther sein sehr breit gefächertes Wissen. Am 2. Juni 1505 kommt es jedoch zu einem Wendepunkt in seinem Leben. In einem schweren Gewitter fleht Luther zu Gott um Lebensrettung und verspricht ihm dafür den Beitritt zum Mönchtum. Gegen den Willen seines Vaters bleibt er diesem Entschluss treu und tritt am 16. Juli 1505 ins Augustiner-Kloster in Erfurt ein.

Kloster & theologische Ausbildung

  • Augustiner Kloster in Erfurt
    1505: Eintritt und Ablegung der Beichte zur Mönchsweihe
    1507: Priesterweihe
    1508: Beginn des Theologiestudiums an der Universität Wittenberg
    1509: Berufung zum Dekan der theologischen Fakultät in Wittenberg
    1512: Verleihung der Doktoren-Würde der Theologie
    1514: Ordination in der Stadtkirche zu Wittenberg


Durch seine weitreichenden Sprachkenntnisse in Hebräisch und Griechisch konnte Martin Luther neben seinem philosophischen Schaffen auch zahlreichen Lehrveranstaltungen des Alten und Neuen Testamentes vorstehen. Ganz besonders kamen ihm seine Fähigkeiten jedoch bei der Arbeit mit den biblischen Grundtexten (NT – griechisch, AT - hebräisch) zu Gute, da er somit auf keine Übersetzung zurückgreifen musste. Dies ließ ihn vor allem im Alten Testament die Ausrichtung auf den Messias (Jesus Christus) und die damit verbundene alleinige Gnadenerlösung erkennen, das ihn mehr und mehr von der Lehrmeinung der römisch-katholischen Kirche distanzierte.

Heirat & Familie

Im Zuge seines immer differenzierteren Theologieverständnisses brach Luther auch mit dem Dogma des Zölibats und erklärtes es für nichtig, ebenso wie den Klosterzwang. In Folge dessen traten zahlreiche Mönche und Nonnen aus ihren Klöstern aus. Dies stand jedoch strengstens unter Strafe und wurde bisweilen mit Bann und Buße belegt. Auf Mithilfe bei Nonnenbefreiung stand die Todesstrafe.

Am 4. April 1523 gelang es Katharina von Bora, zusammen mit 11 weiteren Ex-Nonnen aus ihrem Kloster (Zisterzienserinnen-Kloster Nimbschen ) zu fliehen. In der Universitätsstadt Wittenberg fanden die Geflohenen Unterschlupf und Bleibe, wo Katharina von Bora wohl auch den Reformator Luther kennen lernte. Am 13. Juni 1525 heiraten Martin und Katharina unter der Leitung von Pfarrer Lucas Cranach im Haus des Stadtschreibers Reichenberg (Wohnort von Katharina von Bora).

Mit ihr zusammen zeugte Luther 6 Kinder (Johannes 1527, Elisabeth 1527, Magdalena 1529, Martin 1531, Paul 1533 und Margarethe 1534), verfasste in seinem neuen Familienleben weiter Schriften zur Rolle von Mann und Frau und prägte entscheidend ein neues Haushaltverständnis.

Die Reformation und ihre Vorläufer

Die Reformation erzählt eine der spannendsten Geschichten Deutschlands. Ihre einzelnen Etappen lassen sich wie folg aufführen:

  • 1510: Reise nach Rom
  • bis 1517: Lehrtätigkeit in Wittenberg, besonderes Studium des Briefes an die Römer und Galater
  • 1517: Anschlagen der Thesen am 31.10.1517
  • 1518: Verfassung des "Sermon", Erläuterung der Thesen für das allgemeine Volk im März
  • 1518: Reichstag von Augsburg 12.-14.Oktober
  • 1519: Leipziger Disputation
  • 1521: Kirchenbann und Exkommunikation am 3. Januar
  • 1521: Reichstag zu Worms am 17. April
  • 1521: Verhängung der Reichsacht durch Kaiser Karl V.
  • 1522: Fertigstellung der deutsch-griechischen Übersetzung des Neuen Testamentes im September
  • 1530: Reichstag zu Augsburg, Augsburger Bekenntnis der Fürsten

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Wichtige Ereignisse in Luthers Leben

Mit Sicherheit hatte Luther mehrere Wende- und Prägungspunkte in seinem Leben. Es lassen sich jedoch einzelne feststellen, die besonders nachhaltig Eindruck hinterlassen haben.

  • A: Einmauerung von Johannes Hilten:
Johannes Hilten war ein Franziskaner-Mönch im St. Georg Kloster, in dessen unmittelbarer Nähe Luther wohnte. Durch seine düsteren Prophezeiungen und der Proklamation einer zukünftigen "großen Wende" im Jahre 1516 hielten die Klosterbrüder es für notwenig, ihn lebendig einzumauern. In seinen noch jungen Jahren (15 Jahre) war Luther somit das erste Mal Zeuge einer rabiaten Umgangsform mit Querdenkern innerhalb der Katholischen Kirche. Dieses Ereignis prägte Martin Luther nachhaltig.


  • B: Gewittersturm am 2. Juli 1505
Nach einem Familienbesuch auf dem Heimweg nach Erfurt gerät Luther in ein fürchterliches Gewitter. Ein Blitz soll direkt neben ihm eingeschlagen haben, so dass er mit den Worten "Hilff du, Sankt Anna, ich will Mönch werden!!" sein Leben in den Dienst des Herrn stellte. Mit diesem Ereignis und dem damit verbunden Abbruch des Jurastudiums beginnt die gesamte Geschichte von Martin Luther. Denn ohne den Klosterdienst und die theologische Ausbildung wäre er wohl niemals das geworden, was er heute für uns ist.


  • C: Reise nach Rom 1510
Mit der Reise nach Rom vollzog sich in Luther der innerliche Bruch mit der katholischen Lehrauffassung, dass der Mensch selbst etwas für seine Erlösung tun kann und tun muss. Dazu sah er den gesamten Sündenpfuhl, der mit der Zeit unübersehbar gewachsen war, unter all den Klerikern. Durch diese Reise war Luther desillusioniert, aber willig, an etwas Neues, an eine Reform zu denken. Sieben Jahre später sollten sich aus diesen Eindrücken die 95 Thesen entwickelen.


  • D: Verbrennung der Bannbulle am 10. Dezember 1520
Dies war ein unheimlich radikaler Schritt, mit einer enormen Symbolkraft. Nach dieser Verbrennung gab es kein Zurück mehr, der totale Bruch mit der katholischen Kirche war vollzogen. Hinzu kommt, dass Luther nicht nur die Bannbulle verbrennt, sondern unter anderem auch Schriften von D. Eck. Das hat immense reale aber auch mentale Wirkung für Luther, da sich hier seine Strenge und Radikalität deutlich zu erkennen gibt.

Freunde & Feinde Luthers

Mit der Reformation brachte Luther einen revolutionsähnlichen Prozess in Gang, der sich zum einen nicht mehr aufhalten ließ und zum anderen die breite Masse und herkömmliche Machtstrukturen polarisierte. Daher erscheint es fast als selbstverständlich, dass Luther bis zu seinem Lebensende permanent von alles riskierenden Freunden (Kurfürst Friedrich der Weise), wie auch erbitterten Feinden (Doktor Eck) umgeben war. Grundsätzlich lässt sich folgendes aufzeigen:


Freunde Luthers Feinde Luthers
1. Johannes von Staupitzs (1465 - 1524)
2. Kurfürst Friedrich der Weise (1463 - 1525)
3. Ulrich von Hutten (1488 - 1523)
4. Johannes Cochläus (1479 - 1552)
5. Papst Leo X. (1475 - 1521)
6. Johann Dietzel "Tetzel" (1465 - 1519)
7. Doktor Eck (1486 - 1543)
8.Georg von Sachsen (1471 - 1539)


1. Johannes von Staupitz

Johannes von Staupitz muss als einer der Unterstützer Luthers angesehen werden. Er stand ihm fast schon väterlich nahe und es ist wohl angebracht, ihn als Luthers Mentor zu beschreiben. Johannes von Staupitz lehrte als Doktor der Theologie an der Universität Wittenberg, nachdem er von Friedrich dem Weisen als erster Dekan berufen wurde. Von Staupitz begleitete Luther stets in seinen tiefen Glaubenskrisen, auf der Suche nach einem gnädigen Gott. Er sandte Martin ebenfalls nach Rom und befürwortete Luthers Ringen um Reformen, da er selbst bereits für Reformen innerhalb seines Klosters und Kirche eintrat. Jedoch hatte er nie durchschlagenden Erfolg damit und zog sich später ins innere Exil zurück. In ihm fand Luther einen offenen Geist, der bereits erste kritische Ansätze in Angriff genommen hatte. Neben dem stetigen Trost und moralischem Beistand wirkte von Staupitz auch entscheidend als Ordensvorsteher, indem er Luther 1518 von der Gehorsamspflicht gegenüber dem Augustinerorden befreite und ihm somit den Weg der (aus katholischer Sicht) Distanzierung/Ketzerei erleichterte. Dadurch wurde Luther nicht gezwungen, gegen sein Pflicht- und Gehorsamsbewusstsein und somit gegen sein Gewissen zu handeln, was für ihn eine unheimliche schwere Belastung gewesen wäre.

Auch kann Johannes von Staupitz als der Entdecker Luthers beschreiben werden, der schon sehr früh das Potential des jungen Mönchs sah und ihn speziell förderte. So brachte er Luther nach Wittenberg, hielt im Kloster die Hand über ihn und berief ihn sogar zu seinem Nachfolger. Jedoch muss auch erwähnt werden, dass er sich kurz vor seinem Tod von der lutherischen Bewegung distanzierte.

2. Kurfürst Friedrich der Weise

Friedrich war Kurfürst von Sachsen und Landgraf von Thüringen. In ihm fand Luther die sehr wichtige politische Unterstützung und den nötigen Schutz. Obwohl Friedrich Zeit seines Lebens Katholik war und blieb, riskierte er viel für den Reformator indem er ihn z.B. am 4. Mai 1521 auf der Wartburg in Schutzhaft nehmen ließ und dem erheblichen Druck von Papst Leo X. und Kaiser Karl V. im Vorfeld standhielt. Friedrich der Weise war stets ein sehr einflussreicher Fürst mit großem Einfluss auf die anderen Landesherren, weswegen seine Unterstützung für Luther nicht nur eine moralische Tragweite hatte. Da die weltlich/katholischen Mächte ihn nicht übergehen konnten, gewann Luther in einigen wichtigen Momenten die notwendige Zeit. So wurde zum Beispiel der Reichstag von Augsburg 1518 um Monate verschoben.

Kaiser Karl V. wusste um das notwendige Wohlwollen der Landesfürsten, um das Reich zusammenzuhalten und die wichtige Unterstützung im Kampf gegen Franz I von Frankreich zu bekommen. Letzten Endes ist aber vor allem das Festhalten an Luther während seiner Wittenberger Professur nach 1517 und der Schutz auf der Wartburg als DIE Unterstützung Luthers anzusehen, denn genau in diesen Zeiten entstanden die entscheidenden Werke Luthers.

3. Ulrich von Hutten

Ulrich von Hutten entwickelte sich mit fortschreitendem Alter immer mehr zum Kritiker der Katholischen Kirche. Er geißelte vor allem die heuchlerischen Lebensweisen des Klerus, wie sie in Rom praktiziert wurden. Dies veranlasste ihn auch sein wichtiges Werk „Vadiscus“ zu schreiben, in dem eine Art dreigliedrige Anprangerung Roms ( Unkeuschheit, Geiz und Hoffart ) zu Papier bringt. Als Resultat seiner reformatorischen Schriften geriet er ebenfalls ins Visier des Vatikans. Papst Leo X. ließ ihn daher zusätzlich in die Bannbulle von 1521 aufnehmen, woraufhin die Exkommunikation folgte.

In Luther sah von Hutten den Reformator schlechthin, auch als eine Art nationale Führungsfigur. Seine Unterstützung war jedoch eher passiver Natur, da er mit Luther wenig direkten Kontakt hatte. Dennoch verhalf er der Reformationsbewegung (siehe auch Reformation)durch seine Veröffentlichung und die Gewinnung einiger Reichsritter für die Sache Luthers zu ihrem Durchbruch.

4. Johannes Cochläus

Johannes Cochläus zählt zu den schärfsten damaligen Kritikern Luthers, vor allem in theologischer Hinsicht. Dabei stand Cochläus Luthers Gedanken anfänglich aufgeschlossen gegenüber, was wohl eher auf seine (Cochläus') humanistische Prägung zurückzuführen ist. Der Freiheitsgedanke Luthers ähnelte eben dem des individualistischen Gedankenwandels im Humanismus. Zum Bruch zwischen beiden kam es jedoch auf beim Reichstag zu Worms 1521, wo Luther ihn scharf angriff und ein persönliches Streitgespräch ablehnte. Im späteren Verlauf beschäftigte sich Johannes Cochläus weiter mit der theologischen Auseinandersetzung mit den Gedanken der Reformation und deren Widerlegung. Desweiteren erarbeitete er ein Gegenpapier zu der Augsburger Konfession 1530.

5. Papst Leo X.

Aus seiner Stellung als Papst allein, stand Giovanni de’ Medici in Opposition zu Luther und der reformatorischen Bewegung. Durch die Lehre Luthers der „sola scriptura“ z.B. wurde die ureigenste Stellung und Legitimation des Papstes angegriffen, als geistliches und weltliches Oberhaupt der Kirche Christi auf Erden, als dessen Stellvertreter. Zudem wurde Papst Leo in späteren Jahren von Luther auch als „Antichrist“ bezeichnet, was die schlimmste Bezeichnung für einen „Christenmenschen“ ist. Allein aus diesen Gründen war seitens der katholischen Kirche keine Kooperationsbereitschaft zu erwarten. Zwar versuchte es Papst Leo X. zunächst mit Verhandlungen wie in Augsburg 1518 und Leipzig 1519, die aber nur auf den uneingeschränkten Widerruf Luthers ausgelegt waren. Mit dem nicht aufzuhaltenden Fortgang der reformatorischen Bewegung sah sich Giovanni de Medici dazu gezwungen, die damals für einen Christenmenschen härteste aller möglichen Strafen anzuwenden, die Exkommunikation. Dies hat den totalen Ausschluss von allem kirchlichem Leben, den Verlust aller akademischen Titel und in Verbindung mit dem weltlichen Bann (Reichsacht) die akute Gefahr für Leib und Leben zur Folge.

Darüber hinaus sah sich Papst Leo in seinen anderen Grundfesten/Absichten erschüttert und bedroht, da mit der Kritik des Ablasshandels DIE entschiedene Finanzierungsquelle für alle zukünftigen Vorhaben (Bau des Petersdom) auszufallen drohte. Somit sah sich Leo X. aufs Schärfste attackiert und betrachtete Luther als ein persönliches fundamentales Problem.

6. Johann Dietzel "Tetzel"

Johann Tetzel war der Deviseneintreiber für Erzbischof Albrecht von Brandenburg, der beim Vatikan hoch verschuldet war. Dieser sandte also Tetzel aus, um den Ablasshandel in seinem Gebiet zu forcieren. Tetzel war weiträumig bekannt als erfolgreicher Geldeintreiber und so kam er auch nach Wittenberg, wo er versuchte, möglichst vielen das Seelenheil zu verkaufen. Da Luther wiederum selbst in Wittenberg tätig war, kam es hier zu einer direkten Konfrontation. Luther verurteilte Tetzels Tätigkeit aufs Schärfste, während dieser seinerseits nicht mit Ketzerproklamationen sparte.

7. Doktor Eck

Auch Johannes Eck darf zu den offensichtlichen Gegenspielern Luthers gezählt werden, er war ein hervorragender Rhetoriker und Theologe im Dienste des sächsischen Fürsten Georg. Anfänglich fand auch er nichts Verwerfliches an Luthers Ansichten, was sich nach dessen Veröffentlichung der 95 Thesen, des Sermon und anderer Schriften recht schnell ins Gegenteil verkehrte. Ging es um das Papsttum, dessen Kompetenzen oder Legimitation, den Ablasshandel und die Freiheit des Menschen geht, bezog er stets scharfe Opposition. Bei der Disputation von Leipzig 1519 standen Martin Luther und Johannes Eck sich in einer erbitterten "Redeschlacht" zur Verteidigung ihrer jeweiligen Ansichten gegenüber. Zu keinem Zeitpunkt sah Eck Luthers Thesen gerechtfertigr, bekämpfte diese aufs Schärfste und reiste sogar persönlich nach Rom, um die weitere Verfolgung Luthers beim Papst anzumahnen. Mit Erfolg, bei der Verfassung und des Inkrafttretens der Bannbulle gegen Luther 1521 war Eck Schriftführer.

8. Georg von Sachsen

Georg von Sachsen war von Anfang an ein entschiedener Gegner Luthers und dem Katholizismus treu verpflichtet bis zu seinem Tode. In seinen Diensten stand auch Doktor Eck. Georg versuchte die reformatorische Bewegung bestmöglich einzudämmen, was er durch Zwangsverbrennung und Konfiskation von Lutherbibeln erreichen wollte. Zudem war das Reisen für Neuprotestanten in seinem Herrschaftsgebiet schwierig, für Einzelne lebensbedrohlich, weshalb sich auch Luther sehr vorsehen musste. Erst mit dem Tode Georgs und der Übernahme seines Nachfolgers konnte die Reformation auch in Sachsen einziehen.






Werke

Als Luthers Hauptwerke werden zumeist seine reformatorischen Schriften des Jahres 1520 bezeichnet. Als sich der Streit mit der römischen Kurie immer mehr zuspitzte und der Papst im Juni desselben Jahres in der „Exsurge Domine“ seine Schriften ablehnte und ihm dem Bann androhte, erarbeitete der Reformator die Grundlagen der Erneuerung für Kirche, Gesellschaft und Christenheit, wobei er sich sowohl an die weltliche Obrigkeit als auch an die Christenheit wandte. Auch in der Folgezeit verfasste Luther wichtige Schriften, zu den Bedeuttesten sind zweifelsohne folgende zu nennen:

? Sermon vom Ablass und der Gnade (1518)      ? Neues Testament (1522)
? 3 reformatorische Hauptschriften (1520)     ? Altes Testament (1534)
? An den christlichen Afel dt. Nation         ? Wider die mörderischen Rotten der Bauern  (1524)                                                   
  von des christl. Standes Besserung          ? Daß Jesus ein Geborner Jude Sei (1524)         
? De captivitate Babylonica ecclesiae         ? Brief wider die Sabather (1538)                                                                                           
? De libertate christiana                     ? Von den jüden und iren lügen (1543

Kurze Erläuterung einzelner Schriften

1. Der Aufruf an den Adel

An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“ Luther wendet sich mit dieser Schrift an die Fürsten, um von der Falschheit der Kurie zu warnen und ruft sie zum Widerstand gegen den Papst auf. Er begründet seine Forderung damit, dass die Papisten die christliche Freiheit jedes einzelnen einschränken und eine privilegierte Kaste von Priestern schafft, obwohl jeder Christ mit der Taufe das Recht erwarb, die Bibel zu lesen und das Wort Gottes zu deuten (allgemeines Priestertum).

Luther postulierte daher:

  • Recht auf freie Kritik und Meinungsäußerung, Kraft eines jeden Gewissens
  • Abschaffung des Zölibats und Einführung der Priesterehe
  • Verbot des Bettelns, dafür Einführung der geregelten Armenspeisung
  • Beschränkung des Bank- und Wucherwesens


Abschließend empfiehlt er ein Reformprogramm mit sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Vorschlägen, z.B. eine Universitätsreform mit freiem Zugang für alle. Dieser in einem einfachen Deutsch geschriebene Aufruf wurde auch von den Volksmassen "verschlungen". Der Aufruf an die Fürsten, die geistliche Leitung in die eigenen Hände zu nehmen, gipfelte in den protestantischen Landeskirchen, die vom jeweiligen Fürsten geführt wurden. Übrigens ein System, das erst 1918 abgelöst wurde.

2. De captivitate Babylonica ecclesiae

"Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche" Nach seiner Entfremdung vom Papst begann Luther ein Konzept einer eigenen Kirche zu suchen und dabei die Schlechtigkeiten der bestehenden Kurie aufzuzeigen. Zum einen verglich er Rom mit dem Reich Babylons, das in der Offenbarung des Johannes als Synonym für die Hölle benutzt wird. Damit stellt Luther seine Kritik an der Kirche auf eine neue, polemische Ebene, indem er den Papst offen mit dem Antichristen gleichstellte.

weitere Reformen für die evangelische Theologie sind:

  • Absolute Vorrangstellung des Wortes Gottes "sola scriptura" im Gegensatz zum Papsttum
  • Reduzierung der heiligen Sakrammente auf Taufe, Buße, Brot


So verändert er das kanonische Recht der Kurie für eine mögliche neue Ekklesia unwiderruflich.

3. De libertate christiana

"Von der Freiheit des Christenmenschen" Dieses Leo X. gewidmetem Werk setzt sich mit der grundlegenden Frage nach dem Zusammenhang zwischen Freiheit und Glauben auseinander. Von den 30 miteinander verflochtenen Thesen sind 2 besonders bekannt und prägnant:

  1. Ein Christ ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan - durch den Glauben.
  2. Ein Christ ist ein dienstbarer Knecht aller und jedermann untertan - durch die Liebe.


Dieses scheinbare Paradoxum löst sich auf, wenn man der von Paulus übernommenen Auffassung Luthers folgt, wonach jeder nur durch den Glauben vor Gott verantwortlich ist, nicht durch seine Taten. Diese fundamentale Erkenntnis steht im Kontrast zu der mittelalterlichen Ansicht über die Abhängigkeit jedes Menschen durch die Sünde von der Kurie.

Luthers Ansicht dagegen sichert jedem Menschen den freien Willen zu, entlässt ihn aber damit nicht von der Verantwortung gegenüber jedem Mitmenschen. Im Gegenteil, jeder gläubige Christ müsse sich durch die Nächstenliebe leiten lassen und friedliches Miteinander anstreben. Diese Begründung menschlicher Freiheit wurde von einigen Denkern der Aufklärung aufgegriffen.

4. Sonstige

Bauernkriege

Weiterhin hat Martin Luther natürlich auch Bezug auf das damalige Geschehen genommen. So sind seine Schriften vor, zum und nach dem Bauernkrieg für das politische Denken interessant:


"Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei" (1523).
"Wider die mörderischen Rotten der Bauern" (1524).
"Ob Kriegsleute auch im seligen Stand sein können" (1526).

Als Reaktion auf die Bauernunruhen und deren blutige Niederschlagung verfasst, lassen diese Schriften die Einsicht Luthers über die Notwendigkeit staatlicher Ordnung deutlich werden. Darüber hinaus ist seine Abgrenzung von einem geistlichen und einem weltlichen Reich, das seit etwa 1920 von Karl Barth als "Lehre von den Zwei Reichen" (Zwei-Reiche-Lehre) bezeichnet wurde, als deutliche Reaktion auf die politischen Wirren und die klerikale Misswirtschaft zu sehen.

Bibelübersetzungen

Erwähnenswert sind natürlich auch die Bibelübersetzungen Luthers 1522 (Neues Testament) und 1535 (Altes Testament). Das Wort Gottes sollte auch für die einfachen Leute verständlich werden. Von den griechischen und hebräischen Urschriften ausgehend, entwarf der Genius Luther in kurzer Zeit eine leicht zugängliche Volksbibel, die mit einfachen sprachlichen Bildern eine sinngemäße Übersetzung anstrebte.

Schriften zum Judentum

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die Judenschriften Luthers. Am Anfang überaus philosemitisch gestimmt, betonte er in „Daß Jesus ein Geborner Jude Sei“ (1523) die gemeinsame Abstammung der Juden und Christen und lud die Juden freundlich zum Übertritt in die evangelische Kirche ein. Als diese seinem Aufruf aber nicht Folge leisteten, wurde Luther ein bekennender Antisemit, was besonders im Dritten Reich propagandistisch ausgenutzt wurde. Gerade die in seinen letzten Lebensjahren erschienen Schriften wie:

  • "Brief wider die Sabbather an einen guten Freund" (1538)
  • "Von den jüden und iren lügen" (1543)
  • "Vom Schem Hamphoras und vom Geschlechte Christi" (1544)

zeigen einen starken Judenhass auf, in denen er sogar zu Vertreibung und Mord aufruft.


Außer seinen politischen und theologischen Schriften hinterließ uns Luther eine Fülle an Predigten, Tisch- und Trinksprüchen, Kirchenliedern und Fabeln. So kann er insgesamt als einer der Schöpfer der hochdeutschen Sprache angesehen werden.

Quellen

  • "Schule 99, Grundstock des Wissens", Serges Medien, Köln 1998'
  • Günter Luther: 1990 "Luthers Werden und Wirken"
  • Gert Wendelborn: "Martin Luther, Leben und reformatorisches Werk" Union Verlag, Berlin 1983
  • Lucien Febre: "Martin Luther" Campus Verlag, Frankfurt/New York 1996


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