Autorenportrait Thomas Morus

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Informationen zu seinem Denken unter Thomas Morus

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Thomas Morus, Gemälde von Hans Holbein d.J., 1527
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hans_Holbein_d._J._065.jpg

Thomas Morus (engl. Thomas More) wurde am 7. Februar 1478 in London als zweites von sechs Kindern des Richters und Anwalts Sir John More und seiner Frau Agnes Graugner geboren.Morus Mutter starb sehr früh und so entwickelte Morus eine enge Bindung zu seinem Vater. In der Lateinschule St. Anthonys verbrachte er sechs Jahre bevor er zwei Jahre als Page beim Erzbischof von Canterbury John Morton diente. Der Geistliche wurde für Morus zu einer Art zweiter Vaterfigur und die freundschaftliche Beziehung, die die beiden verband, dauerte Morus ganzes Leben lang. Außerdem verhalf dieser ihm zu einem Stipendium mit dem er zwei Jahre lang (1492-1494) in Oxford Latein und Griechisch studieren konnte. Diese relativ kurze Zeitspanne wird in der Literatur verschieden erklärt.(Vgl.Heinrich,1984,S. 9-13) Eine Version geht davon aus, dass ihn der Druck seines Vaters zum Abbruch bewegte, da dieser das Studium der beiden Sprachen als nicht zielführend einstufte, da er seinen Sohn zum Studium der Rechtswissenschaften bewegen wollte. Eine andere Version vermutet, dass der Erzbischof Morton ihn beeinflusste, da dieser bereits das Potential des jungen Thomas Morus erkannt hatte und fördern wollte. Beide Ansätze sind aber spekulativer Art.

Von 1496 an durchlief Thomas Morus eine juristische Ausbildung, in der er zusätzlich zu den Rechten alte Sprachen und klassische Literatur studierte. Er begann die Ausbildung am New's Inn und wechselte dann später auf Betreiben des Vaters an das renomiertere Lincoln's Inn, wo dieser schon studiert hatte. 1499 traf er das erste Mal mit Erasmus von Rotterdam zusammen, mit dem ihn eine starke Freundschaft verband.London entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Zentrum des englischen Humanismus,dessen mit berühmtester Vertreter Morus wurde.(Vgl. Heinrich,1984/S.13-15)

Zwischen 1499 und 1503 lebte Thomas Morus als Gast im Londoner Karthäuser Kloster und führte ein entsprechend dem Leben der Mönche sehr asketisches,spirituelles Leben. Er legte nie ein Gelübde ab, allerdings nahm er am klösterlichen Leben teil, zum Beispiel an Messen und Bußübungen. Außer mit den Studien des Gesetzes beschäftigte sich Morus in dieser Zeit vor allem mit den Schriften der alten Kirchenväter und dem Griechischen. Sein Vater missbilligte letztere Bildungsbestrebungen seines Sohnes und entzog ihm die finanzielle Unterstützung.(Vgl.Heinrich,1984/S.18-21) Die Entscheidung gegen ein Leben im Dienst der Kirche traf Morus jedoch auch ganz bewusst als eine Entscheidung für die Familie. Später blickte er immer wieder mit Wehmut auf diese Entscheidung zurück.(Vgl.Heinrich,1984/S.29) Müsste er nicht auf Frau und Kinder Rücksicht nehmen, so äußerte er einmal, wäre er möglicherweise doch noch einem geistlichen Orden beigetreten. Doch der Entschluss war da schon lange gefallen und 1501 wurde Morus dann als Anwalt zugelassen. Von diesem Moment an betätigte er sich als Rechtsanwalt und Unternehmer.(Vgl.Heinrich,1984/S.21)

1504 wurde er unter Heinrich VII in das britische Parlament gewählt. Wenig später geriet er in einen Konflikt mit dem König, als dieser seinem Volk für die Heirat seiner Tochter eine hohe Sondersteuer abpressen wollte. Morus setzte sich schließlich durch und konnte die geforderte Summe beträchtlich senken. Heinrich VII. war erzürnt über diese Niederlage gegen einen, wie ihm berichtet wurde, "bartlosen Jüngling" und reagierte darauf, indem er Morus' Vater einsperren ließ. Gegen eine Strafzahlung konnte Morus seinen Vater befreien, doch zog er sich als Konsequenz erst einmal aus der Politik zurück.(Vgl.Heinrich,1984/S.52)

Im Jahr 1505 heiratete er Joan Colt mit der er vier Töchter und einen Sohn hatte. Diese starb 1511 und er heiratete die sieben Jahre ältere Witwe Alice Middelton, die eine Tochter aus erster Ehe mitbrachte. Beiden Gattinen ließ Morus eine für Frauen zu dieser Zeit außergewöhnlich hohe Bildung nach dem humanistischen Bildungsideal zukommen,(Vgl.Heinrich,1984/S.29-31) was später auch für seine Töchter galt.(Vgl.Berglar,1999/S.158) Neben den leiblichen Kindern nahmen die Eheleute Morus auch Mündel auf. Das Morussche Haus wurde somit zu einer großen, lebendigen Gemeinschaft, die darüber hinaus stets berühmte nationale und internationale Gelehrte beherrbergte.(Vgl.Heinrich,1984/S.29-34)


Im Januar 1510 wurde Morus unter Heinrich VIII erneut in das Parlament gewählt. Vom September desselben Jahres an hatte er das Amt des Undersheriff von London inne.(Vgl.Berglar,1999/S.473) Mit diesem Amt war er einer von zwei juristischen Beamten, die Fälle in der Gerichtsbarkeit des Bürgermeisters als Richter bearbeiteten. Zeitgleich war er Friedensrichter im Hampshire und Dozent im Lincoln's Inn. Ab 1514 wurde er zunehmend als Vermittler in den verschiedensten Bereichen tätig (Kanalisation, Lebensmittelpreise, Kontrolle von Maßen und Gewichten). Auch begann er für Heinrich VIII diplomatische Missionen auszuführen.(Vgl.Heinrich,1984/S.141)

1516 erschien das erste von zwei Büchern seines Werkes "Utopia", in dem er seine humanistischen Anschauungen in der Beschreibung des fiktiven idealen Staates Utopia darlegte.(Vgl.Berglar,1999/S.283-241) Darüber hinaus verfasste Morus viele humanistische Schriften, Übersetzungen Antiker Texte, sowie lyrische Texte. (Vgl.Heinrich,1984/S.49)

Im Jahre 1517 trat er in den Dienst des Königs und wurde unter Anderem Mitglied des geheimen Rates. Damit strebte seine steile Karriere als gestaltender Politiker dem Höhepunkt zu. 1518 trat er vom Amt des Undersheriff zurück, blieb aber weiterhin der Stadt fest verbunden. Im Mai 1521 wurde er zum Unterschatzkanzler ernannt und war damit für Organisation des amtlichen Verkehrs zwischen König und Lordkanzler verantwortlich. Im selben Jahr wurde er zum Ritter geschlagen. Er half Heinrich dem VIII bei der Abfassung einer Arbeit gegen Luther und seine Auffassungen, die Heinrich VIII den vom Papst verliehenen Titel "Verteidiger des Glaubens" einbrachte. 1523 wurde Thomas Morus zum Parlamentssprecher gewählt und veröffentlichte eine eigene Schrift gegen Luther, die europaweit Anerkennung fand. 1525 wurde er zusätzlich Kanzler des Herzogtums Lancaster. 1529 wurde er zum Lordkanzler ernannt, vergleichbar mit dem heutigen Premierminister. Sein Vorgänger Kardinal Wolsey war an seiner kritischen Meinung Heinrich VIII gegenüber gescheitert. Die Ernennung überraschte Thomas Morus sehr, da er der erste Nicht-Kleriker war, der diesen Posten innehatte. Dieses Amt war zugleich der Höhepunkt und das Ende seiner Laufbahn.(Vgl.Heinrich, 1984/S.81,ff.)

1532 wandte er sich mit dem Rücktritt von sämtlichen öffentlichen Ämtern von der Politik ab. Heinrich VIII hatte in ihm einen Unterstützer seiner Meinung im Hinblick auf den Konflikt mit dem Papst gesucht und nicht gefunden.(Vgl.Heinrich,1984/S.96))Heinrich VIII wollte sich von seiner Frau scheiden lassen , was gegen die Grundsätze der katholischen Kirche verstieß, der Papst versagte ihm dies daher. Der Konflikt zwischen Heinrich VIII und dem Papst eskalierte. Heinrich VIII forderte von seinen Untergebenen die Ablegung des so genannten Suprematseids, in dem statt des Papstes der König als Oberhaupt der englischen Kirche anerkannt wurde. Dies bedeutete faktisch eine Abspaltung der englischen von der römisch-kartholischen Kirche und somit die Gründung der protestantischen anglikanischen Staatskirche. Als 1534 der Suprematseid vom streng gläubigen Thomas Morus verlangt wurde, verweigerte dieser ihn und wurde daraufhin im Tower inhaftiert. Das Parlament verhängte die Acht über ihn und alle seine Besitztümer wurden zu Gunsten der Krone eingezogen. Er wurde von einem Sondergericht zu Tode verurteilt.(Vgl.Heinrich,1984/S.119,ff.)

Am 6. Juli 1535 wurde Thomas Morus im Alter von 57 Jahren hingerichtet.

Seligsprechung 1886.

Am 19. Mai 1935 erfolgte die Heiligsprechung.(Vgl.Berglar,1999/S.477)

Durch Papst Johannes Paul II. wurde er am 31. Oktober 2000 zum Patron der Regierenden und Politiker ernannt.

Werke

„De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia“ (1516)

„The Four Last Things“ (1522)


theologische und religiös-politische Schriften

"Responsio ad Lutherum" (1523)

"Dialogue concerning Heresies" (1529)

"Confutation of Tyndale's Answer" (1532)

"Apology" (1533)

"Debellation of Salem and Bizance" (1533)

"An answer to a poisened Book named The Supper of the Lord" (1534)

"Treatise on the Passion" (1534/35)

"Treatise to receive the Blessed Body, Dialogue of Comfort against Tribulation" (1534/35)

"De Tristitia Christi" (1534/35)

Gedichte

"Nine Pageants" (1503)
"Book of Fortune" (1503)
"A Merry Jest" (1503)
"A Rueful Lamentation" (1503)

Quellen

Ackroyd, Peter (1998): The life of Thomas More. London: Chatto & Windus.

Berglar, Peter (1999): Die Stunde des Thomas Morus - Einer gegen die Macht. Frankfurt am Main: Fischer.

Chambers, R. W. (1946): Thomas More. Ein Staatsmann Heinrich des Achten. Regensburg: Kösel.

Heinrich, Hans Peter (1984): Thomas Morus. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Herz, Dietmar (1999): Thomas Morus zur Einführung. Hamburg: Junius.

Hubertus Schulte Herbrüggen (Hg.)(1985): Thomas Morus Werke. Bd. 5. Briefe der Freundschaft mit Erasmus. München: Fink.

Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sir_Thomas_More,_by_Hans_Holbein_the_Younger.jpg (Version vom 29.10.2009, 16:57 Uhr)

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