Freiheit

Aus TheorieWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche


Heute zählt die Freiheit zu den wichtigsten Grundrechten und ist ein Grundbegriff moderner Demokratien, jedoch wurde im Laufe der Geschichte der Freiheitsbegriff unterschiedlich politisch definiert und hat so eine konkret-geschichtliche Ausprägung erfahren.

Dem ersten politischen Begriff von Freiheit begegnet man in der griechischen Antike. Die Polis, der Stadtstaat des alten Griechenlands, wird als eine politische Gemeinschaft von Freien verstanden, die sich gemeinsam Gesetze (d.h. Normen) geben und wechselseitig politische Ämter übernehmen. Für die Eigenschaft eines freien Bürgers war dabei die Befreitheit von Arbeit für den Lebensunterhalt und die Abstammung von einem freien Bürger Voraussetzung. Aristoteles sagte dazu: "Die Beschäftigung mit Handel und Handarbeit verderbe die Seele für jene Aufgaben, bei denen es darum geht das Gemeinwohl und das Gemeininteresse zu befördern" (Nohlen 1996:172).

In der Zeit des zunehmenden Niedergangs der Polis konnte sich ein zunehmendes Bewusstsein des Gegensatzes von politischer Ordnung und individueller Freiheit herausbilden, sodass Freiheit nicht mehr im Handeln in und für die Gesellschaft gesucht wurde, sondern im privaten Dasein. Dieser Konflikt zwischen Individuum und Gemeinschaft hat den Freiheitsbegriff der Neuzeit nachhaltig und mit den unterschiedlichsten Bedingungen geprägt.

Mit dem Aufbruch des politischen Denkens aus dem festen Griff der Kirche wurde Freiheit für die Denker der Renaissance wieder ein großes Thema. Montesqieu definierte Freiheit als "Gut, das die anderen Güter zu genießen erlaubt". Für ihn war ein Gleichgewicht der Kräfte (Gewaltenteilung) Vorraussetzung für politische Freiheit, die die europäischen Monarchien vor dem Schreckgespenst der Despotie schützen sollte.

Im 18. Jahrhundert wurde von Jean-Jacques Rousseau eine Erneuerung der demokratischen Vorstellung von Freiheit betrieben. Er unterschied 3 Arten von Freiheit: die natürliche Freiheit im Naturzustand, die eng mit dem Begriff der Gleichheit verbunden ist. Der Mensch genießt in diesem ursprünglichen Zustand völlige Handlungs- und Willensfreiheit. Die zweite Form von Freiheit ist die Unfreiheit, die im Laufe der Geschichte durch Arbeitsteilung und Privateigentum entsteht. Die erste Wirkung dieser beiden Grundübel ist Ungleichheit, die zu dauerhafter Knechtschaft und Herrschaft der Menschen übereinander führt. Dagegen setzt Rousseau die Freiheit in dem von ihm entworfenen Gesellschaftsvertrag. Alle Menschen geben alle ihre Freiheit an den Staat ab, und erhalten sie von ihm wieder zurück. Sie sind insoweit frei, dass sie gehorsam gegenüber einem Gesetz sind, das sie sich selbst gegeben haben. Die bürgerliche Freiheit wird hier also als wollen, was man wollen sollte, definiert. Rousseaus Vertragstheorie stellt ein Mittel dar, um die individuelle Freiheit mit der rechtsverbindlichen Ordnung in Zusammenhang zu bringen. Durch einen Vertrag "aller mit allen" (Thomas Hobbes) entsteht ein Staat, indem einzelne Individuen auf ihr "Recht auf alles" zu Gunsten des Souveräns verzichten.

Dem setzt wenig später Benjamin Constant den Anspruch des Menschen auf Individualität entgegen. Er definiert moderne Freiheit als das Recht auf Privatheit gegenüber der alten Freiheit, die im vollständigen Aufgehen des Menschen im Staat bestand. Das liberale Grundprinzip der individuellen Freiheit als Ziel jeder menschlichen Gemeinschaft wurde von Constant zum ersten Mal so deutlich formuliert.

Liegt bei Rousseau noch in der Gleichheit die Grundbedingung zur idealen, natürlichen Freiheit, so sieht Alexis de Tocqueville im 19. Jahrhundert Gleichheit kritischer als möglichen Ausgangspunkt zum Despotismus. Freiheit sieht Tocqueville in der poltischen Partizipation, der Selbstbestimmung. Diese Chance liegt in der Gleichheit, wenn sie (so Tocqueville) gefüllt wird durch das Bewußtsein über die eigene Einbindung in die Allgemeinheit. Anderenfalls führe Gleichheit zu mangelnder Identifikation und zu starkem Individualismus, die Bürger zögen sich aus dem politischen Leben zurück, eine politische Klasse entstehe, und mit ihr einher ginge die Zentralisation von politischen Entscheidungen. Hier genau sieht Tocqueville den Ansatzpunkt für Despotismus, den Inbegriff von Unfreiheit betrachtet man seine Definition.

Ein Denker der wie kein anderer mit dem Begriff Freiheit verknüpft ist, ist Karl Marx. Er untersuchte im 19. Jahrhundert vor allem den Prozess des Be-Freiens, der Emanzipation. Hierbei spielt für den frühen Marx vor allem die Stellung der Religion eine große Rolle. Von ihr (aber auch von allen anderen bürgerlichen= individuellen Angelegenheiten wie Privatbesitz, Beruf etc) müsste sich an erster Stelle der Staat trennen, um seine Bürger alle als gleich und frei anzunehmen. Dafür muss dem empirischen Individuum eine abstrakte Figur an die Seite gestellt werden; der Staatsbürger. Genau wie Tocqueville glaubt aber Marx nicht an die Fähigkeit zur Abstraktion des Menschen, das Leben der Metaebene Staatsbürger. Deshalb muss laut Marx der zweite Schritt, die menschliche Emanzipation, folgen. In diesem Schritt wird der ganze Mensch Staatsbürger, wirft die Fesseln des Privateigentums und der Religion ab, wird wieder Gattungswesen und damit frei.

Zygmunt Bauman beschreibt genau diesen gewalt(tät)igen Prozess als ein Problem der alten, der festen Moderne. Ordnungen seien zerstört worden um neue zu errichten, es hätte ein Ziel (wenn auch ein entferntes) des Aufbruchs gegeben. Heute (im 21. Jahrhundert) hätten alle Männer und Frauen alle erdenklichen Freiheiten, seien auf einem so hohen Level der Individualisierung angelangt, dass sie sich nicht mehr als soziale Wesen definieren. In der flüchtigen Moderne fänden persönliche Probleme keine Deckung mehr mit denen anderer, die emotionalen Folgen davon seien Angst, Zweifel, und Unsicherheit. Der desillusionierte Mensch lebt in seiner Welt wie auf einem Campinplatz auf Zeit, wo sich seine Kritik nur noch als die des Konsumenten und damit immer system-immanent manifestiert. Baumann sieht die Unfreiheit durch Macht (feste Moderne) abgelöst durch eine Unfreiheit mangels Alternativen.

Quellen

  • Herb, Karl Friedrich 1999: Bürgerliche Freiheit. Politische Philosphie von Hobbes bis Constant. München.
  • Maier, Hans/ Denzer, Horst 2001: Klassiker des politischen Denkens. München.
  • Mill,John Stuart 1973: Die Freiheit. Darmstadt.
  • Nohlen Dieter(Hrsg) 1996: Wörterbuch Staat und Poltik. München
  • Pohlenz,Michael 1955: Griechische Freiheit. Heidelberg.
  • Schmidt, Manfred G 2000: Demokratietheorien. Opladen.
  • Schubert, Klaus/Klein Martina: 1997: Das Politiklexikon. Bonn
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge