Gesellschaft

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Der Gesellschaftsbegriff wird in verschiedenen Lebensbereichen unterschiedlich benutzt. Juristisch bedeutet der Begriff zum Beispiel „der vertragliche Zusammenschluss von mehreren Personen mit dem Ziel, gemeinsam einen bestimmten Zweck zu erreichen“. Dieser Artikel beschränkt sich auf die soziologische Bestimmung des Begriffs.

Inhaltsverzeichnis

Definition(en)

Eine Gesellschaft ist eine zu bestimmten Zwecken organisierte Vereinigung einer größeren Zahl von Menschen. Diese Menge von Individuen oder Menge von Gruppen ist sozial begrenzt. Das Zusammenleben regelt sich dabei über allgemein gültige Normen. Der Begriff Gesellschaft beschreibt also ein soziales Gebilde, ein strukturiertes und organisiertes System menschlichen Zusammenlebens.

Niklas Luhmann erklärt die Gesellschaft als einen Prozess, in dem Menschen ihren Handlungen durch Beziehung zu anderen Menschen einen Sinn verleihen. Sie ist ein „Sozialsystem aller kommunikativ füreinander erreichbaren Handlungen“. (Luhmann 2000)

Adam Smith definierte die Gesellschaft als eine Tauschgemeinschaft, in der der Mensch versucht, seine Lage zu verbessern.


Klassifizierung

Die schwierige Klassifizierbarkeit macht das Wort Gesellschaft zu einem umstrittenen Begriff in der Soziologie. Wie dem auch sei unterscheidet man 3 Gesellschaftsbegriffe.

  • Zum einen ordnet man Gesellschaften nach der ihnen eigenen politischen Herrschaft. Man unterscheidet egalitäre Gesellschaften, in denen die Macht auf alle gleich verteilt ist und herrschaftliche Gesellschaften, die durch Machtunterschiede zwischen den Gruppen und soziale Ungleichheit gekennzeichnet sind. Europäische Gesellschaften haben einen langen Weg hinter sich mit vielen Kontroversen und Erfahrungen bei der Erprobung verschiedener politischer Systeme, z.B. Despotismus, Demokratie, Aristokratie etc..
  • Zweitens werden Gesellschaften nach soziokulturellen Phänomenen eingeteilt („Bindestrich-Gesellschaften“). Als Beispiel sind zu nennen: Kommunikations-Gesellschaft, Freizeit- Gesellschaft, Risiko-Gesellschaft, Konsum- und Leistungs-Gesellschaft.
  • Drittens werden Gesellschaften nach der ihnen zugehörigen Wirtschaftsweise eingeteilt. Diese Einteilungen können einen historischen Kontext implizieren: Agrargesellschaft, Industriegesellschaft, postindustrielle Gesellschaft(siehe dazu auch Gesellschaftsformationen bei Karl Marx).
  • Zum Klassifizieren des Gesellschaftszustands gibt es viertens internationale Begriffe z.B. von der Weltbank (highly indebted poor countries, least developed countries, industrial countries etc.).
  • Fünftens andererseits gibt es Begriffe, die das Zeitalter der Gesellschaft bezeichnen (Fordismus, Post-Moderne etc.).

Bildung von Gesellschaften

Moralphilosophen sahen die Gesellschaft als ein Resultat „intendierter und nicht intendierter Folgen menschlichen Handelns“. Gesellschaftstheoretiker wie z.B. Rousseau argumentierten, dass Gesellschaft durch freiwillige Zustimmung oder Zwang hergestellt wird. Werte und Normen werden durch Erziehung oder zwangsweise durch Autorität verinnerlicht. Die innere Verpflichtung und der äußere Zwang sollen den individuellen Handlungstrieben entgegenwirken. Die Entwicklung der Gesellschaft war eng an die Entwicklung des Staatensystems geknüpft. Nach Max Weber erfolgte eine Vergesellschaftung. Das Bild des Staates hat sich am Ende des 20ten Jahrhundert geändert und die Konturen einer Abgrenzung über eine gemeinsame Identität sind unschärfer geworden. Es stellt sich die Frage in wie weit der Gesellschaftsbegriff noch die komplexen Strukturen innerhalb des menschlichen Zusammenlebens erfassen kann.

Der Begriff Gesellschaft steht in enger Verbindung mit dem Begriff Gemeinschaft. Untersuchungen zu dem Verhältnis von Gemeinschaft und Gesellschaft wurden durch den Soziologen Ferdinand Tönnies angestellt.

Die gemeinschaftliche Grundlage der Gesellschaft lässt sich zum Beispiel an der Diskussion über Unternehmerkultur und zivilgesellschaftliches Engagement erkennen.


Quellen

Lexikon der Politikwissenschaft – Band 1 A-M. 3.aktualisierte und erweiterte Auflage.Hrsg: Dieter Nohlen, Rainer-Olaf Schultze. München 2005

Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2003 DVD Version Artikel zu „Gesellschaft“

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