Humanismus

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Der Begriff Humanismus leitet sich vom lateinischen Wort humanitas ab, welches Menschlichkeit bedeutet, und umfasst mehrere Bedeutungen.


Zum einen beschreibt der Humanismus im weitesten Sinne jene philosophischen Konzepte, die den Menschen als Individuum betrachten, dessen Freiheit und Würde achten und zu schützen versuchen und als Konsequenz ein Leben gekennzeichnet von Toleranz, Meinungs- und Gewaltfreiheit anstreben.

Im Besonderen meint der Begriff Humanismus jene geistesgeschichtlichen Strömungen im Europa des 15. & 16. Jahrhunderts, die von Italien ausgehend ein neues Idealbild des Menschen entwerfen, welches im Kontrast zum vorangegangenen Mittelalter auf der Basis der weltlichen Bildung der Antike aufbaut.

(literaturwelt.com, o.J., Renaissance und Humanismus; Peter Möller, o.J., Humanismus; Das Bildungsserver Wiki, o.J., Humanismus; E. Gottwein, o.J., Humanismus: Begriff und Formen )


Renaissance-Humanismus

Die Epoche der Renaissance stellt den Übergang vom kirchlich dominierten Mittelalter zur Neuzeit dar und ist von großen Entdeckungen und gesellschaftlichen Umbrüchen gekennzeichnet.

In dieser Zeit sehnte sich das erstarkende Bürgertum nach Erneuerungen und besann sich zurück auf die Antike. Zuerst auf die römische und nach dem Untergang des Byzantinischen Reiches (1453) und dem damit verbundenen Strom von Flüchtlingen und Gelehrten mit Kenntnissen der griechischen Philosophie auch auf die griechische Antike.

Fortan entwickelte sich ein neues Menschenbild, das sich von dem bis dahin vorherrschenden des Mittelalters und der Scholastik abgrenzte. Nun wurde der Mensch als freies und selbstbestimmtes Wesen betrachtet, dessen Fähigkeiten und freier Wille ihn ermächtigen, sich zu entwickeln und die Welt zu erschließen.

Zentral für das Verständnis des Humanismus ist seitdem die Entfaltung der Persönlichkeit in Gesellschaft und Kultur durch Bildung, Tugend und Menschlichkeit.

Einen wichtigen Einfluss auf die Verbreitung der humanistischen Gedanken hatte auch die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg (1455), welche erst eine schnelle und effiziente Reproduktion ermöglichte.

(Hermann Kinder/Werner Hilgemann, 2001, Zeitwende - Humanismus; Thomas Maissen, 2008, Humanismus; literaturwelt.com, o.J., Renaissance und Humanismus)


Wichtige Vertreter des Renaissance-Humanismus:


Francesco Petrarca (1304-1374) gilt als einer der bedeutensten italienischen Dichter dieser Zeit und als Begründer des Humanismus. Auf Grund seiner großen Kenntnis von Augustin, Seneca und Cicero stand er der Scholastik und dem Aristotelismus kritisch gegenüber.

(Hermann Kinder/Werner Hilgemann, 2001, Zeitwende - Humanismus)


Giovanni Boccaccio (1313-1375) war ein Freund Petrarcas und der Begründer der italienischen Novelle im Stil der antiken Gelehrten. Als sein bekanntestes Werk gilt seine Novellensammlung Il Decamerone.

(Hermann Kinder/Werner Hilgemann, 2001, Zeitwende - Humanismus)


Pico della Mirandola (1463-1494) war ein humanistischer Philosoph, der sich für die Einigung von Griechentum, Christentum und Judentum einsetzte und in seinem Werk Oration de hominis dignitate die von Gott gegebene Sonderstellung des Menschen unter den Lebewesen herausstellt. Bekannt wurde er ebenso durch seine 900 Thesen, die er zum öffentlichen Disput stellen wollte, aber welche vom Papst verboten wurden.

(Hermann Kinder/Werner Hilgemann, 2001, Zeitwende - Humanismus; Wikipedia-Artikel zu Pico della Mirandola, "Werke und Lehre")


Erasmus von Rotterdam (1466-1536) gehört zu den bekanntesten und bedeutendsten Humanisten und strebte nach einem christlichen Humanismus, in dem er eine Balance zwischen dem christlichen Glauben und der humanistischen Gesinnung finden wollte. Obwohl er dadurch der Reformation Luthers nahe stehen könnte, verachtete er doch als Pazifist den Standpunkt Luthers zum Bauernkrieg und kritisierte Martin Luther, da in dessen Theorien und Ansichten die Willensfreiheit des Menschen durch die vollkommene Abhängigkeit von Gottes Barmherzigkeit nicht vorhanden ist.

(Hermann Kinder/Werner Hilgemann, 2001, Zeitwende - Humanismus; Brockhaus Band 2, 2005, Erasmus von Rotterdam S 301-310; Peter Möller, o.J., Humanismus (Vertreter des Renaissance-Humanismus))


Morus (1477/78-1535) entwickelte, unter dem Einfluss zahlreicher in London verkehrender Intellektueller (darunter auch Erasmus von Rotterdam), die aus Italien das Gedankengut der Renaissance mitgebracht hatten, seine eigenen humanistischen Ideen. Diese dienten unter anderem als Basiskonzept für sein Hauptwerk "Utopia" („De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia“ - 1516), in welchem er eine Gesellschaftsordnung entwarf, die zum Ziel hatte, »soweit es die öffentlichen Belange zulassen, allen Bürgern möglichst viel Zeit von der menschlichen Fron für die Freiheit und Pflege des Geistes sicherzustellen« (Morus 2004: S.58). Er ging dabei von dem Leitgedanken der Renaissance aus, dass der Mensch die höchste Kreatur der göttlichen Schöpfung, geschaffen als dessen Ebenbild, darstelle und leitete daraus die moralische Verpflichtung des Staates zur Förderung der schöpferischen Fähigkeiten des Menschen ab, sodass dieser zum Fortschritt der Gesellschaft beitragen könne. Außerdem betrachtete er den Menschen einerseits als die einzige Ursache für die gesellschaftlichen Probleme, zum Beispiel durch falsche Organisation (Privateigentum), andererseits aber auch ,Kraft der menschlichen Vernunft, als einzige Instanz zu deren Lösung.


Ulrich von Hutten (1488-1523) wird als der bedeutendste deutsche Humanist bezeichnet. Er entstammt einer Ritterfamilie führt aber nach den Verstoß durch seinen Vater ein Wanderleben. In seinen satirischen Dunkelmännerbriefen greift er die katholische Kirche an und beschreibt die herrschenden Missstände. Außerdem gehört er einer politisch, patriotischen Richtung des Humanismus an und fordert ein geeintes Deutschland mit einem mächtigen Kaiser als Herrscher. Eine weitere Besonderheit ist, dass er viele seiner Schriften auf Deutsch verfasste.

(Hermann Kinder/Werner Hilgemann, 2001, Zeitwende - Humanismus; Wolfgang Pohl, o.J., Renaissance - Humanismus - Reformation (4. Werk und Wirken einzelner Autoren des Humanismus); Peter Möller, o.J., Humanismus (Vertreter des Renaissance-Humanismus))




Neuhumanismus

Datei:W.v.Humboldt.jpg
Wilhelm von Humboldt

Als Neu-Humanismus bezeichnet man die Erneuerung der humanistischen Bewegung seit etwa 1750 und die damit verbundene erneute Hinwendung zum klassischen Altertum. (dtv Lexikon, Band 8, Seite 204) Der Neuhumanismus hatte das Ziel, den Menschen zu Vervollkommnen und zur Humanität zu erziehen. (Detjen, Joachim, Politische Bildung, 2007, Seite 32) Ein bedeutender Vertreter dieser, vor allem auf Bildung ausgelegten, Reformen war Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Humboldt zufolge war die Bildung der Weg eines Individuums zu sich selbst und als solcher nicht abschließbar.(Detjen, Joachim, Politische Bildung, 2007, Seite 33) Aus der Überzeugung heraus, dass die menschliche Gesittung nur über Sprache und Literatur zu erlernen sei,(Detjen, Joachim, Politische Bildung, 2007, Seite 32) und aus dem Grundsatz der Persönlichkeitsbildung als Recht aller Menschen, entstand die Forderung nach gleicher Bildung für alle.(Detjen, Joachim, Politische Bildung, 2007, Seite 33) Diese neuhumanistischen Prinzipien hatten großen Einfluss auf das deutsche Bildungssystem, und sind noch heute durch sog. humanistische Gymnasien verankert. (dtv Lexikon, Band 8, Seite 205) Die Epoche stellte neben den neuen Bildungsgrundsätzen auch eine Blütezeit der künstlerischen Erneuerung dar (Schiller, Goethe, Lessing).

(E. Gottwein, o.J., Humanismus: Begriff und Formen)



Quellen

Internetquellen:


Bücherquellen:

  • F.A. Brockhaus GmbH, Leipzig; "Die Großen der Welt" Band 2 (Mannheim, 2005) zum Porträt von Erasmus von Rotterdam (S.301-310), ca 30 Autoren (Sammelwerk)
  • Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München; dtv-Atlas "Weltgeschichte" (Bandnr. 3000) (2001) zum "Humanismus" S. 212, Autoren: Hermann Kinder/Werner Hilgemann
  • dtv Lexikon Band 8, 1990
  • Rowohlt, Hamburg; Morus, Thomas (2004): Utopia. In: Der utopische Staat, Autor: Klaus J. Heinisch


Bilderquellen:

  • Wikimedia Commons zu Wilhelm von Humbold (Zugriff am 30.10.2009, Autor (Maler): unbekannt, vor 1835)
  • Wikimedia Commons zu Ulrich von Hutten (Zugriff am 30.10.2009, Autor (Maler): Erhard Schön, ca. 1522)
  • Wikimedia Commons zu Thomas Morus (Zugriff am 30.10.2009, Autor (Maler): Hans Holbein der Jüngere, 1527)
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